Milliardenüberschüsse und Zusatzbeiträge
Ich habe mich ja bisher mit Unternehmensbashing sehr zurückgehalten. Aber wenn man das liest bekommt man schon einen dicken Hals:
Trotz der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten werden einige gesetzliche Krankenkassen das vergangene Jahr vermutlich mit einem deutlichen Überschuss abschließen können. Wie das Handelsblatt am Dienstag berichtete, lagen die Einnahmen der Kassen um 1,07 Milliarden Euro über ihren Ausgaben. [...] Einige Kassen, darunter auch Betriebskrankenkassen, machen in diesem Jahr gleichwohl von der Möglichkeit Gebrauch, von ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag zu erheben. Dieser beträgt zwischen acht Euro und einem Prozent des Gehalts und wird ausschließlich von den Versicherten bezahlt. [...] Der Bundesverband der BBK sieht keinen Widerspruch zwischen den Zusatzprämien und der guten Finanzlage 2009.
Da mag sich Otto-Normal ersteinmal wundern. Aber in der Tat wird der Widerspruch sofort aufgelöst:
Gleichwohl stiegen 2009 die Gehälter vieler Vorstände der gesetzlichen Krankenkassen. Top-Verdiener unter den Krankenkassenmanagern ist der Chef der Techniker Krankenkasse Norbert Klusen. Sein Grundgehalt stieg um 25.000 Euro auf 271.000 Euro. Ein TK-Sprecher nannte das Gehalt “sehr angemessen”. Die TK verlange keine Zusatzbeiträge. Nach den im Bundesgesetzblatt neu veröffentlichten Zahlen erhielt DAK-Chef Herbert Rebscher, dessen Kasse seit Februar Zusatzbeiträge von acht Euro pro Monat erhebt, rund 235 000 Euro, Barmer-Chefin Birgit Fischer etwa 203 000 Euro. Das waren jeweils rund 4000 Euro mehr als 2008. Der Chef der AOK Bayern, Helmut Platzer, konnte sich zusätzlich zum Gehalt von 176.000 Euro über einen Bonus von 50.820 Euro freuen.
Und was die Vorstände nicht einstecken, wird in den Mühlen der Bürokratie zermahlen. Wir haben gestern übrigens auch einen Brief von der Krankenkasse bekommen.
Die XXX bietet Ihnen eine hochwertige Gesundheitsversorgung, individuellen Service und innovative Behandlungsmodelle. Ihre Beiträge setzen wir intelligent und effektiv ein. Angesichts stetig steigender Leistungsausgaben sind leider auch wir – wie bereits andere Krankenkassen zuvor – gezwungen, ab dem 01.03.2010 einen Zusatzbeitrag von acht Euro monatlich zu erheben.
Wie schön, dass wir seit Jahren keine dieser innovativen Behandlungsmethoden in Anspruch genommen haben und sich unsere Arztbesuche (Praxisgebühr inklusive) auf die unbedingt notwendigen bzw. vorgeschriebenen beschränkt haben.
Nicht das man mich hier falsch versteht. Ich bin für ein solidarisches System bei der Gesundheitsversorgung. Aber dann doch bitte für alle. Dass ausgerechnet die Topverdiener und/oder Beamte nicht in das System der Gesetzlichen Rentenversicherung einzahlen, ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.
