Kontraproduktive Demonstrationen
In Berlin haben rund 5000 Studenten eine Änderung in der Schulpolitik gefordert. Wer wissen will, worum es genau ging, der muss schon etwas suchen, denn im Zusammenhang mit der Demonstration wird überwiegend von Ausschreitungen gesprochen. Dass die Forderungen, mit denen die Veranstalter an den Start gingen, mehrheitlich zu befürworten sind, wird nun wohl kaum einen interessieren.
Wie ich auf Spiegel Online erfuhr, wurde bei der Demonstration auch meine Uni in Mitleidenschaft gezogen, als „Demonstranten“ in das Hauptgebäude eindrangen, eine jüdische Ausstellung beschädigten, und versuchten Feuer zu legen. Ich selbst war gestern nicht im Campus Mitte, weshalb ich mich in meinem Beitrag auch nur auf Fernsehbilder und frühere Demonstrationen berufen kann.
Das grundsätzliche Problem dieser Art von Demonstrationen ist, dass die Partei Die Linke und die mit ihr kooperierenden Gruppierungen durch ihren organisatorischen Vorteil allzu häufig das Meinungsbild über die Demonstration maßgeblich bestimmen.
Wer auf einer Demonstration für mehr Bildungsausgaben und größerer Chancengleichheit die Abschaffung des Kapitalismus fordert, der macht nicht nur sich, sondern die Demonstration insgesamt lächerlich. Vermutlich keiner der Demonstranten hat wirklich Marx gelesen, wenn sie entsprechende Banner entrollen. Stattdessen haben sie das Werbematerial nur schnell in die Hände gedrückt bekommen und lassen die Demonstration damit eher wie ein Parteiaufmarsch der Linken erscheinen. Weit wirkungsvoller wäre es hingegen, wenn es in Zukunft gelänge, auch nach außen hin sichtbar eine überparteiliche Veranstaltung zu organisieren, von der alle Parteien angesprochen werden.
Doch all das Beschriebene führt dazu, dass ich – bei allem Politikinteresse – bestimmte Demonstrationen inzwischen meide, weil ich kein Interesse daran habe, mit entsprechenden Phrasen in Verbindung gebracht zu werden. Sei es nun Fremdenfeindlichkeit, Datenschutz oder eben Schulpolitik – überall schwingt Kapitalismuskritik in Form der Linken mit. Ich selber bin auch für mehr Lehrkräfte und damit kleinere Klassen, für eine bessere Ausstattung der Schulen und gegen Studiengebühren. Wer wäre das nicht. Aber vielleicht kennt ja jemand einen wirkungsvolleren Weg als den einer Demonstration, denn die letzte dürfte bei weiten Teilen der Gesellschaft eher Kopfschütteln als Nachdenken bewirkt haben. Schade drum.
Mehr zum Thema u.a. bei Friedhelm: [Plaste] Für Bildungslücken ist gesorgt
Update: Michaela Zimmermann hat einen Artikel des Hamburger Abendblatts gefunden, wonach die Linke auch organisatorisch mit der Demo verstrickt war. Ihre Meinung: [Furchtlos] Schülerstreik: Gut gemeint, wenig durchdacht

Keine Kommentare Einen eigenen Kommentar hinzufügen
Bisher keine Kommentare.
Kommentar verfassen