LulzSec, Terrorismus und Abwehrzentren

Diese Woche hat unser Innenminister Friedrich feierlich das „Nationale Cyberabwehrzentrum“ (NCAZ) eröffnet. Dort arbeiten künftig das BSI, BKA, BND, Verfassungsschutz, Katastrophenschutz, Bundespolizei, Bundeswehr und Zollkriminalamt zusammen. Dieses Zentrum ist schon das zweite seiner Art. Seit 2004 tauschen im „Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum“ (GTAZ) das BKA, der BND, das BfV, das Zollkriminalamt, der MAD, die Landeskriminalämter, die Bundespolizei sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihre Erkenntnisse aus. Und genau hier liegt das Problem. Eigentlich ist in unserem Staat eine strikte Trennung von Inlands- und Auslandsgeheimdienst, von Militär und Polizei vorgesehen - eine Lehre, die wir auf schrecklichste Art und Weise aus dem Nationalsozialismus ziehen mussten. Auf dem Altar der Terrorismusbekämpfung wird sie schrittweise wieder geopfert. Doch bei der Bevölkerung scheint nach zehn Jahren „War on Terror“ eine gewisse Ermüdung einzutreten. Für den Ausbau des präventiven Überwachungsstaats werden dringend neue Feindbilder gesucht. Ideales Ziel: Whistleblower, Hacker, „Cyberkriminelle“. Zunächst war Wikileaks das Opfer, dann die Anonymous-Netzguerilla. Und zu guter Letzt tauchte wie aus dem Nichts die nicht näher bekannte Gruppe namens LulzSec auf. Diese machte sich mit Attacken auf Sony einen Namen, griff selbst die CIA erfolgreich an und schaltet inzwischen angeblich sogar Hotlines, über die ein jeder neue Ziele angeben kann. Ist die Gruppe damit nicht geradezu eine perfekte Rechtfertigung für die Notwendigkeit des Cyberabwehrzentrums? Skepsis ist angebracht. Denn wer die CIA angreift und anschließend Hotlines schaltet, ist sich seiner Sache entweder absolut sicher oder geisteskrank. Oder aber ein Fake der Geheimdienste.

Zwei kurze Updates zum Nationalen Cyberabwehrzentrum.

Gefunden auf heise.de: Gemischte Reaktionen auf Eröffnung des Cyber-Abwehrzentrums

Das am Donnerstag in Bonn offiziell eröffnete Cyber-Abwehrzentrum wird als Informationsdrehscheibe einhellig begrüßt, doch es gibt auch kritische Stimmen. Kritisiert wird vor allem, dass das Zentrum kein echtes Notfallzentrum ist, das rund um die Uhr an allen Tagen besetzt ist. Am Wochenende ist das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum zuständig für "die Beobachtung der IT-Sicherheitslage für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik außerhalb dessen Dienstzeit".

Na dann wollen wir mal hoffen, dass die Cyberterroristen mit ihren virtuellen Bomben uns nicht außerhalb der Bürozeiten angreifen...

Und falls noch jemand an der Kompetenz des Cyberabwehrzentrums zweifelt dieses Zitat des DPolG-Bundesvorsitzenden Rainer Wendt (via Netzpolitik.org):

Innenminister Friedrich hat mit dieser Einrichtung grundsätzlich die richtige Antwort auf Bedrohungen gegeben, die aus dem Internet sowohl auf Wirtschaft und Industrie als auch auf kritische Infrastrukturen in Deutschland gegeben, wir begrüßen dies ausdrücklich. Allein die Vorstellung, dass durch einen erfolgreichen Angriff, etwa auf Schutzsysteme für Kraftwerke, Wasser- oder Stromversorgung die Bevölkerung millionenfach getroffen werden könnte, muss große Besorgnis auslösen. Ein Terrorangriff muss nicht mit Bomben oder Raketen erfolgen, er kann im Prinzip per email erfolgen. Panik, Unruhen und Hysterie in der Bevölkerung könnten jedenfalls mit polizeilichen Mitteln kaum zu bewältigen sein, deshalb war es dringend nötig, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Deutschland gegen diese Attacken nicht wehrlos ist. [Hervorhebung: T. N.]

Logisch, wer fühlt sich denn nicht von SPAM terrorisiert?

Union und SPD drängen auf neue Terror-Gesetze
Ohne Worte.

Stasi-Überprüfungen jetzt!

Erstaunlich wie hartnäckig sich manche Themen halten. Ich selbst hatte auch nicht mehr damit gerechnet, dass nach der Landtagswahl 2009 in Brandenburg das Stasi-Thema noch einmal so auf die Tagesordnung kommt. Doch offensichtlich ist die vermutete Rechnung von Matthias Platzeck (politischer Ziehsohn von dem Mann, der juristisch nicht IM Sekretär sein darf) und Kerstin Kaiser (IM Kathrin) nicht aufgegangen. Möglichst bunt zusammen gewürfelten Kommissionen und Sonderbeauftragten sollten erstmal möglichst lang forschen, debattieren und sich dann nach Möglichkeit selbst zerfleischen. Doch vollkommen überraschend kam jüngst die Enquete-Kommission eindeutig zu dem Ergebnis, dass Brandenburg die Stasi-Aufarbeitung gehörig verschlafen hat, und Papa Stolpe sein Mandat eigentlich hätte zurückgeben müssen. Und plötzlich ist es wieder da, das leidige Thema Stasi. Eigentlich ist es ein trauriger Vorgang, dass wir über 20 Jahre nach der Einheit immer noch darüber streiten müssen, ob Angestellte im öffentlichen Dienst auf eine MfS-Tätigkeit überprüft werden sollten. Jeder weiß, dass in Polizei und Justiz, ja selbst in den Parlamenten noch immer Zuträger des SED-Unterdrückungsapparats sitzen. Doch statt dies endlich aufzuklären, verschließen sich insbesondere SPD und Linke noch immer vor der Wahrheit – aus Angst vor den zu erwartenden, katastrophalen Ergebnissen. Doch ohne die notwendige Überprüfungen wird dieses Kapitel deutscher Geschichte nie geschlossen werden. Bleibt zu hoffen, dass ein weiterer, anzunehmender Plan – nämlich das Thema Stasi durch permanente Diskussionen lästig zu machen – nicht aufgeht. Darum ist jetzt die Opposition in Brandenburg und die Regierung im Bund gefordert, endlich die Maßnahmen zu treffen, auf die die Opfer des SED-Unrechts seit so vielen Jahren warten.

Wir alle müssen sparen. Abgeordnete gönnen sich 584 Euro plus